Zunächst handelt es sich dabei um ein völlig natürliches Triebgeschehen. Einen Trieb, der eine gewisse körperliche und psychische Spannung verursacht, diese ist nicht willkürlich steuerbar. Sie taucht oft plötzlich, manchmal im Schlaf und bereits beim Kleinkind auf. Begleitet wird sie durch eine Vielzahl sichtbarer und unsichtbarer körperlicher Prozesse.
Die Befriedigung des Sexualtriebs ist in aller Regel mit Lust verbunden. Für die körperlich Komponente dieser Lust ist es dabei unerheblich, auf welche Weise der Sexualtrieb befriedigt, die sexuelle Spannung gelöst wird. Zur sexuellen Befriedigung gehört jedoch auch ein seelischer Anteil. Er drängt uns dazu, Sexualität vorzugsweise mit einem Partner zu erleben und zu genießen. Im Idealfall sogar mit einem Partner, mit dem uns mehr verbindet als gleiche körperliche Interessen. Sympathie, Zuneigung, Liebe, die Suche nach und das Schenken von Vertrauen und Geborgenheit spielen hier eine Rolle. Ausdruck dieser Gefühlshaltung sind Zärtlichkeiten: für fast alle Menschen ein wichtiger Bestandteil sexueller Begegnung.
Unsere sexuellen Neigungen und Vorlieben wurden durch unsere Erziehung in unserer Kindheit und Jugend geprägt. Sie können sich aber auch im Laufe des Lebens verrändern. Der Einfluss von genetischen Faktoren ist bislang nicht belegt.
Die menschliche Sexualität ist äußerst facettenreich. Sexuelle Signale werden manchmal unbewusst ausgestrahlt, sexuelle Impulse unbewusst empfangen. Ein charmantes Lächeln, ein aufmunternder Blick, ein gewisser Tonfall in der Stimme, eine „zufällige“ Berührung mit der Hand all das kann ein solch unbewusster Ausdruck sexuellen Verlangens signalisieren.
Unter welchen Bedingungen Erotik entsteht, ist schwer auszumachen. Erotik als jene Spannung, die entsteht, wenn.......vielleicht mehr aus der Begegnung werden könnte als ein freundliches Gespräch oder ein freundschaftliches Miteinander. Sexualität hat mehrere Dimensionen, Sexualität spielt sich auf visuellen, taktilen und rein geistigen Ebenen ab. Dabei ist es individuell sehr unterschiedlich, welche Art sexueller Stimulanz auch wirklich eine luststeigernde Wirkung auslöst. Was manche Menschen als Steigerung der Erregung erleben ist für andere Menschen lusttötend, verunsichernd oder abstoßend.
So gesehen lässt sich Sexualität nur schwer pauschal definieren. Jeder Mensch entwickelt seine eigene Sexualität. Ich möchte es so ausdrücken: Sexualität ist ein bedingungsloses Geben und Nehmen auf erotischer Grundlage zum Zweck der Luststeigerung und mit dem Ziel der Lustbefriedigung.
Jedes Liebespaar muss den Weg zu seiner eigenen erfüllten Sexualität finden. Es gibt keine Richtlinien oder verbindliche Normen.
„Zweimal die Woche“, meinte schon Martin Luther dazu. Der Amerikaner Kinsey gab in seinem bekannten Report das Ergebnis bekannt, dass Paare durchschnittlich zweimal die Woche Geschlechtsverkehr haben. Die Ergebnisse des Kinsey-Report wurden in den Massenmedien auch in Europa immer wieder verbreitet und zitiert und so entstand wohl auch die allgemeine Ansicht, dass man ein- bis zweimal die Woche miteinander schlafen muss. Teilen auch Sie diese Ansicht? Dann befinden Sie sich in Gesellschaft einer Vielzahl von Frauen und Männern, die sich dieser ungeschriebenen Regel unterwerfen, weil es die Norm ist und daher normal ist. Aber: sie allein bestimmen über ihr sexuelles Selbstwertgefühl! Wie finden Sie das? Die ein- bis zweimalige wöchentliche Pflichterfüllung in der Sexualität ist nur eine von vielen Regeln. Einige gelten für beide Geschlechter, andere nur für Frauen oder Männer. Hier einige Beispiele:
Damit mein Partner mich nicht verlässt, muss ich regelmäßig mit ihm schlafen.
Wenn ich nicht oft genug mit ihm schlafe, geht er fremd.
Weil ich ihn liebe, muss ich auch Lust haben.
Frauen wollen Zärtlichkeit, Männer wollen Sex.
Frauen bedeutet Sex weniger als Männern.
Wenn er nicht mit mir schlafen will, dann nur, weil er mich nicht schön findet.
Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Zahlreiche Mythen ranken sich um das Thema Sex.
Jedes Liebespaar muss zu seiner eigenen erfüllten Sexualität finden, es gibt keine verbindlichen Normen oder geltende Regeln!